steckerfertige PV-Anlagen

Die Energiewende schreitet stetig voran und der Anteil der konventionellen Energieträger an der Gesamtstromerzeugung in Deutschland sinkt jährlich. Gleichzeitig nimmt der Anteil der erneuerbaren Energieträger zu. Deshalb beschäftigen sich immer mehr Menschen auch privat mit der Energiewende und wollen aktiv im eigenen Zuhause daran teilnehmen. Eine Möglichkeit hierfür bieten sogenannte steckfertige PV-Anlagen. Für einen sicheren Anschluss und Betrieb solcher Anlagen ist das Vorschriftenwerk des VDE grundlegend. Darüber hinaus sind diverse gesetzliche Vorgaben wie beispielweise das Erneuerbare- Energien-Gesetz zu berücksichtigen. Diese finden Sie in unserer FAQ-Liste.

1. Was ist eine steckerfertige PV-Anlage?

Die hier genannte „steckerfertige Photovoltaik-Anlage“ hat viele Namen (steckbare PV-Anlagen, Mini-PV, Balkon-PV, Balkon-Kraftwerk, Guerilla-PV, Plug and Play-PV und viele mehr), aber nur eine Bedeutung. Grundsätzlich beschreiben all diese Begriffe eine aus einem oder wenigen PV-Modulen und Wechselrichter bestehende PV-Anlage, die direkt an eine Steckdose des eigenen Haus- oder Wohnungsstromkreises angeschlossen werden kann. Zu beachten ist: Eine normgerechte Anwendung kann nur mit einer speziellen Energiesteckdose sichergestellt werden. Die haushaltsüblichen Schutzkontaktsteckdosen sind nicht für den Einsatz von Erzeugungsanlagen mit Steckern zugelassen.

2. Welche Vorteile bietet mir die steckerfertige PV-Anlage?

Der Strom wird durch die PV-Anlage dort erzeugt, wo er auch direkt wieder verbraucht wird – nämlich im heimischen Stromkreis. Zuerst wird also der Strom aus der Eigenproduktion der steckerfertigen PV-Anlage genutzt und nur noch der zusätzlich benötigte Strom aus dem öffentlichen Stromnetz bezogen. Dementsprechend verringert sich die vom Lieferanten bezogene Strommenge und die Rechnung fällt geringer aus. Durch diese Einsparungen kann sich also der Anschluss einer steckerfertigen PV-Anlage nach einiger Zeit lohnen.

3. Sind steckerfertige PV-Anlagen in einem vorhandenen Stromkreis zulässig?

Ja. Mit der im Mai 2018 veröffentlichten Vornorm DIN VDE V 0100-551-1 (VDE V 0100-551-1) wurde in Deutschland die Möglichkeit geschaffen, PV-Anlagen auch in einen vorhandenen Endstromkreis einzubinden. Der Anschluss darf aber ausschließlich über einen speziellen Stecker (nähere Informationen dazu sind unter Frage 11 zu finden) oder eine feste Installation erfolgen.

4. Benötige ich für den Anschluss von steckerfertigen PV-Anlagen eine Elektrofachkraft?

Ja. Wenn ein vorhandener Stromkreis genutzt werden soll, muss eine Elektrofachkraft prüfen, ob die Leitung für die Einspeisung ausreichend dimensioniert ist. Evtl. muss hier die vorhandene Sicherung gegen eine kleinere Sicherung getauscht werden, um den Stromkreis vor Überlastung und vor Brand zu schützen. Der von uns empfohlene Einsatz einer speziellen Energiesteckdose muss durch eine Elektrofachkraft ausgeführt werden. Bei Fragen hierzu wenden Sie sich bitte an einen Elektroinstallateur, der die Gegebenheiten Ihrer Elektroinstallation in der Kundenanlage einschätzen kann.

5. Fallen steckerfertige PV-Anlagen unter das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)?

Ja. Es handelt sich um eine ganz normale PV-Anlage, die dieselben Rechte und Pflichten wie größere PV- Anlagen hat.

6. Sind steckerfertige PV-Anlagen bei der Bundesnetzagentur meldepflichtig?

Ja. Steckerfertige PV-Anlagen müssen der Niederspannungsanschlussverordnung zufolge denselben Anmeldeprozess durchlaufen, wie es andere PV-Anlagen auch tun müssen. Die Anmeldung erfolgt im Markstammdatenregister der Bundesnetzagentur unterMarkstammdatenregister.

7. Sind steckerfertige PV-Anlagen beim Netzbetreiber meldepflichtig?

Ja. Nach der Niederspannungsanschlussverordnung und der VDE-Anwendungsregel „Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz“ (VDE-AR-N 4105), ist eine Anmeldung beim zuständigen Netzbetreiber erforderlich. So wie auch bei großen Verbrauchsgeräten (zum Beispiel Durchlauferhitzer) müssen die Netzbetreiber wissen, wo sie in ihrem Netz vorkommen. Das erleichtert und beschleunigt die Ursachensuche, wenn zum Beispiel unzulässige Netzrückwirkungen auftreten und benachbarte Netzkunden Probleme haben. Eine vereinfachte Inbetriebsetzung für steckerfertige PV-Anlagen wird mit der Neufassung der genannten Anwendungsregel unter festgelegten Bedingungen ermöglicht.

8. Sind besondere Zähler für den Betrieb von steckerfertigen PV-Anlagen notwendig?

Das hängt vom bereits vorhandenen Zähler ab. Ist nur ein „normaler“ Zähler (Einrichtungszähler) vorhanden, muss er gegen einen Zweirichtungszähler ausgetauscht werden. Verschiedenste Gründe machen Zweirichtungszähler notwendig. Der Wichtigste: Wird durch eine Erzeugungsanlage im Privathaushalt Strom ins öffentliche Netz eingespeist, dreht sich ein „normaler“ Zähler rückwärts. Dabei verhält es sich ähnlich wie bei der Manipulation von Kilometerzählern im Fahrzeug: Erbrachte Leistung wird unterschlagen. Wie beim Autoverkauf kann dies zu einer Strafanzeige wegen Betrugs führen. Diese Anzeige würde im Fall der steckerfertigen PV-Anlagen durch den Messstellenbetreiber erfolgen. Zudem stellt ein Rückwärtslaufen des Zählers einen Verstoß gegen das Steuerrecht dar und fällt unter Steuerhinterziehung bzw. Steuerverkürzung.

Weitere Informationen zur Notwendigkeit eines Zweirichtungszählers finden sich auf Seiten der Bundesnetzagentur unter dem folgenden Link: Zweirichtungszähler

Die Mehrkosten gegenüber dem bisherigen Eintarifzähler können dem jeweils aktuellen Preisblatt Strom für den Netzzugang auf der Internetseite des Netzbetreibers entnommen werden. Derzeit betragen die Mehrkosten rund 10 €/Jahr. Diese werden i.d.R. über die Stromverbrauchskostenabrechnung des jeweiligen Stromlieferanten abgerechnet.

Ein normaler Einrichtungszähler mit Rücklaufsperre ist normalerweise nicht ausreichend, da die ins öffentliche Stromnetz eingespeisten Energiemengen erfasst werden müssen. Nur wenn der Betreiber der steckerfertigen PV-Anlage schlüssig nachweisen kann, dass physikalisch kein Überschussstrom in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden kann, genügt ein Einrichtungszähler mit Rücklaufsperre. Für den Betrieb einer steckerfertigen PV-Anlage muss demnach i.d.R. ein Zweirichtungszähler genutzt werden. Die oben genannten Mehrkosten dafür müssen selber getragen werden.

9. Können steckerfertige PV-Anlagen auch vom Laien in Betrieb genommen werden?

Wenn die steckerfertige Erzeugungsanlage über eine bereits vorhandene, spezielle Energiesteckdose angeschlossen werden kann (z. B. nach Vornom DIN VDE V 0628-1 (VDE V 0628-1)) und ein Zweirichtungszähler vorhanden ist, kann die PV-Anlage vom Laien in Betrieb genommen werden. Die Mitteilungspflichten gegenüber Netzbetreiber und Bundesnetzagentur (siehe Fragen 6 und 7) bestehen aber auch in diesem Fall. Allerdings gibt es hier zukünftig ein vereinfachtes Verfahren ggü. dem Netzbetreiber (siehe dazu Frage 7).

10. Besteht Brandgefahr während des Betriebs einer steckerfertigen PV-Anlage?

Bei Einhaltung einer normgerechten Inbetriebsetzung der steckerfertigen PV-Anlage besteht grundsätzlich keine Brandgefahr. Für eine normgerechte Installation müssen insbesondere die Anforderungen der DIN VDE V 0100-551-1 (VDE V 0100-551-1) eingehalten werden. Darin sind u. a. Anforderungen an die Leitungsdimensionierung, Anschlussart und Schutzeinrichtungen enthalten.

11. Darf eine steckerfertige PV-Anlage einfach an eine Haushaltssteckdose (Schutzkontaktstecker) angeschlossen werden?

Wir empfehlen in Anlehnung an die Normungsgremien die Installation einer Energiesteckdose durch einen Elektroinstallateur nach DIN VDE 0628-1. Bei weiteren Fragen die Ihre Kundenanlage betreffen sollten Sie sich mit Ihrem Elektroinstallateur in Verbindung setzen, der die Gegebenheiten Ihrer Elektroinstallation in der Kundenanlage einschätzen kann.

12. Ist es erlaubt, den produzierten Strom einfach ins öffentliche Stromnetz zu leiten?

Ist ein Zweirichtungszähler vorhanden und die steckerfertige PV-Anlage bei der Bundesnetzagentur sowie dem örtlichen Netzbetreiber angemeldet, ist eine Einspeisung ins öffentliche Stromnetz zulässig.

13. Gibt es in Deutschland eine Bagatellgrenze für die maximale Leistung solcher Anlagen?

Es gibt in Deutschland aktuell keine Bagatellgrenze. Welche maximale PV-Leistung technisch zulässig ist, steht in Frage 14.

14. Bis wie viel Watt ist eine steckerfertige PV-Anlage mit spezieller Energiesteckvorrichtung zulässig?

Die maximal anschließbare Leistung einer steckerfertigen PV Anlage ist abhängig vom Leiterquerschnitt der vorhanden Zuleitung und von der Strombelastbarkeit der Steckvorrichtung. Die Energiesteckvorrichtung nach Vornorm DIN VDE V 0628-1 (VDE V 0628-1) ist für maximal 16 A (3,68 kVA) zugelassen. Pro Energiesteckvorrichtung ist eine Erzeugungsanlage zulässig.

Beispiel: Bei einem Leiterquerschnitt von 1,5 mm² ist dies auf maximal 16 A (3,68 kVA) begrenzt. Hierbei ist zu beachten, dass bei Verwendung eines vorhandenen Endstromkreises die Leitungsbelastung mit der Berechnungsformel aus der Vornorm DIN VDE V 0100-551-1 (VDE V 0100-551-1) zwingend eingehalten werden muss.

15. Rechnet sich eine Mini-PV-Anlage für mich?

Trotz Mehrkosten für einen Zweirichtungszähler in Höhe von derzeit rund 10 €/Jahr amortisieren sich die Ausgaben für bspw. ein 600 Watt Modul in relativ kurzer Zeit. Unter der Annahme von Investitionskosten von rund 600 € für Modul inklusive Halterung und einer Nutzungsdauer von mindestens 15 Jahren, ergeben sich jährliche Kapitalkosten in Höhe von 40 €/a. In Summe also Kosten von rund 50 €/Jahr. Auf der Erlösseite kommt es auf den Nutzungsgrad für den Eigenverbrauch an. Je höher der Eigenverbrauch, umso höher die Kostenersparnis gegenüber einem Strombezug über die öffentliche Stromversorgung. Unter der Annahme, dass mit einem 600 Watt Modul in Karlsruhe rund 550 kWh Solarstrom jährlich erzeugt werden können und davon ca. 400 kWh selbst genutzt werden, liegt der Kostenvorteil bei rund 400 kWh x ca. 0,3 €/kWh = 120 €/Jahr. Das heißt, mit den Modulen erzielt man über die Nutzungsdauer der Module eine Rendite von durchschnittlich 70 €/Jahr bzw. einen Return of Invest nach 5 Jahren.

Vom Grundsatz her wären aus der Überschusseinspeisung zusätzliche Erlöse aus der EEG Vergütung in Höhe von rund 10-13 €/Jahr erzielbar. Um die EEG Vergütung in Anspruch nehmen zu können setzt §9 Abs. 2 S. 2 EEG 2021 jedoch voraus, dass die Anlage am Verknüpfungspunkt mit dem Netz auf die maximale Wirkleistungseinspeisung von 70 Prozent der installierten Leistung begrenzt wird. Der Gesetzgeber hat hierfür leider keine Erheblichkeitsschwelle vorgesehen, so dass diese gesetzliche Regelung auch für Mini-PV-Steckmodule gültig ist. Aus wirtschaftlichen Gründen empfehlen wir daher den Verzicht auf die Einspeisevergütung nach dem EEG.

Auf jeden Fall rechnet sich die Mini-PV-Anlage für die Umwelt, da Sie hiermit Ihren eigenen, wenn auch kleinen aber dafür umso wichtigeren Beitrag zur Energiewende leisten können.

Anmeldungen einer Mini-PV Anlage können unter Nutzung unseres vereinfachten Anmeldeformulars und der darin aufgeführten Bedingungen direkt durch den Anlagenbetreiber selbst vorgenommen werden. Alternativ hierzu, können Sie sich weitere Beratung und Unterstützung im Installations- und Anmeldeverfahren durch den nachfolgend aufgeführten Dienstleister einholen. Diese Dienstleistung ist für Sie kostenlos. Nähere Informationen finden Sie unter https://machdeinenstrom.de/.


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